Das persönliche Wort

„Die Qual mit der Wahl!“

Es ist der 6. Juli 2017. Die Uhr zeigt 14.15. Ich beginne mit den Zeilen dieses Textes für den Gemeindebrief. In genau 79 Tagen, 17 Stunden und 45 Minuten fällt der Startschuss zur Öffnung der Wahllokale für die Bundestagswahl 2017. Dann haben die Prognosen ein Ende. Die Wahlschlachten sind geschlagen. Nichts geht mehr! Die Fakten liegen in Form der ersten Hochrechnung am 24. September um 18.00 Uhr auf dem Tisch. Der Wähler hat gesprochen. Euphorie auf der Seite der Gewinner und betretene Mienen bei denen, die sich weit mehr ausgerechnet haben. Und der Wähler – du und ich? Natürlich kommen sie uns in Erinnerung: die vielen Wahlversprechen im Wahlkampf. Die großen Worte aus dem vollen Mund der Politiker. Obwohl wir’s wissen, denn oft genug erlebt, werden nach der Wahl die berühmten kleinen Brötchen gebacken. Plötzlich sieht alles viel realistischer aus. Die großen Reden haben sich nicht selten als sehr kurzlebige Seifenblasen erwiesen. Und es ist kein Geheimnis, dass die Berufsgruppe der Politiker nicht unbedingt die sind, denen unser größtes Vertrauen gehört. Hat nicht Konrad Adenauer selbst einmal gesagt: „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern!“ Gut, es ist nur ein Halbsatz, der wie folgt weitergeht: „… nichts hindert mich, weiser zu werden!“ Aber – der erste Teil seiner Aussage ist bei uns hängengeblieben und hat sich oft genug in der politischen Geschichte wiederholt. Da stellt ein mächtiger Mann mit Namen Pilatus, übrigens auch ein Politiker, Jesus vor dessen Kreuzigung eine kurze, aber inhaltsvolle Frage: „Was ist Wahrheit?“ Pilatus weiß um all die Betrügereien, die Korruptionen und Seilschaften im römischen Imperium und erwartet auf seine Frage eigentlich noch nicht einmal eine Antwort. So ist er blind für die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit die in Person vor ihm steht. Er begreift nicht, dass er, Pilatus, die göttliche Wahrheit gleich dem Spott des Mobs preisgeben wird und letztlich damit die Kreuzigung Jesu wohlwollend zulässt. Für uns, die wir im Vorrecht der durch den Heiligen Geist geöffneten Augen leben, erkennen die ganze Dynamik der Aussage in Joh. 1,17 wo wir lesen, dass Jesus voller Gnade und Wahrheit ist. Als die religiöse Oberschicht Jesus einmal fragte: „Wer bist du überhaupt?“ antwortete er, wie kann anderer Mensch antworten kann: „Ich bin durchaus das, was ich auch zu euch sage!“ Will heißen, sein Reden und sein Tun sind nicht voneinander zu trennen. Jesus verkörpert größte und reinste Form eines authentischen Lebens. So gilt meine Wahl in erster Linie Jesus Christus, der geoffenbarten Wahrheit des Himmels, dem Fundament, das in Stürmen aller Zeitströmungen einen festen Stand bietet. Aber zur Wahl geh ich trotzdem …

Rudolf Gerhardt